Pagenhaus

Blatt 3

Die Geschichte

Nach Prof. Paul Zalewski, 2006

Das Pagenhaus an der Herrenhäuser Straße ist ein eingeschossiger Fachwerkbau von ungefähr 80 m Länge und 13,50 m Breite mit Mansarddach und Gauben. Die Gefache sind heute ockergelb verputzt, die Stände braun davon abgehoben. Das Haus gehört der GBH und enthält Wohnungen. Seine Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Vom ersten zum neuen Pagenhaus

Schon 1676/77 ließ Herzog Johann Friedrich ein Pagenhaus in Herrenhausen errichten, vermutlich von seinem Bauschreiber Brand Westermann. Mit dem Hofstaat und der Dienerschaft wuchs der Platzbedarf, bald war das Gebäude zu klein. 1707 wurde es abgebrochen, um südlich davon einen größeren Neubau zu ermöglichen. Dafür wurden vier Gebäude auf dem vorgesehenen Bauplatz angekauft und an anderer Stelle wieder aufgestellt.

Wer das neue Haus entwarf, ist nicht sicher. Schuster, v. Alvensleben und Nöldeke nennen Brand Westermann, Adam dagegen Charles Louis Rémy de la Fosse, der 1706 als neuer Hofarchitekt nach Hannover berufen worden war. In Firstmitte sitzt ein Dachreiter mit offener Laterne und zwei Schlagglocken, die 1792 vom Celler Schloss hierher versetzt worden sein sollen.

Wohnen am Hof im 18. Jahrhundert

Abb. 1: Bestandsgrundrisse 1725, Zeichnung von J. Chr. Böhme

Ein Plan von Böhme aus dem Jahr 1725 zeigt, wie das Haus ursprünglich genutzt wurde (Abb. 1). Im Erdgeschoß lagen mehrere Wohnungen und ein großer Lagerraum, in dem zeitweise nicht gebrauchte Möbel des Schlosses standen. In den Wohnungen waren die Kammerherrn, Hofjunker und der Fontaineninspektor untergebracht. Im Mansardgeschoss führte ein langer Mittelflur zu den Kammern der Küchenbediensteten und Lakaien, am Ostende lagen die Zimmer der Pagen und ihres Lehrers.

Abb. 2: Bestandsgrundrisse 1869, Bauaufnahme von E. Schuster

1716 brauchte die Zitruszucht vor dem Bau der Orangerie zusätzlichen Platz. Der große Lagerraum, den die regelmäßigen Südfenster gut belichten, bekam Öfen und diente im Winter als „Orangensaal“, als Notorangerie. Nach dem Bau der neuen Orangerie richtete man 1733 darin eine Wohnung für den Hofgärtner ein und teilte den Saal in mehrere kleinere Räume. Diesen Zustand hält die Bauaufnahme von E. Schuster aus dem Jahr 1869 fest (Abb. 2).

Umbauten bis heute

1940 wurde das Haus umgebaut. Die Eingänge verlegte man zur Straßenseite, denn die Herrenhäuser Straße verläuft inzwischen im Norden des Gebäudes. Das Haus wurde teilunterkellert und entkernt, im Obergeschoß entstanden Wohnungen anstelle der einzelnen Kammern. Seitdem besteht es aus drei baulich getrennten Abschnitten, 6A, 6B und 6C, jeweils mit eigenem Eingang und Treppenhaus. Nach Angaben einiger Bewohner gab es in den 1970er Jahren eine weitere Sanierung. Die letzte Sanierung 1998 durch den Architekten Reinhard Kraft betraf nur die Fassaden, nicht das Dach.

Der Brand von 1987 und das Dach

Abb. 3: Brandschaden im Dachabschnitt 6C, 1987

Bei Dacharbeiten kam es 1987 zu einem Schmorbrand an einer der südlichen Gauben des Abschnitts 6C. Er vernichtete einen Teil der Dachkonstruktion (Abb. 3). Nach dem Brand blieben dort nur sieben Gebinde erhalten, die neuen greifen die frühere Konstruktion im Wesentlichen auf.

Abb. 4: Trockenboden in Hausabschnitt 6A

Das obere Dachgeschoß diente als Lager- und Trockenraum, vermutlich vor allem für Fahnen und Uniformen (Abb. 4). Heute zeigt es sich als einfaches Kehlbalkendach mit doppelt stehendem Stuhl. Die Sparrenpaare mit ihren Kehlbalken sind zweifellos original, Stuhlsäulen und Stuhlrähme dagegen erneuert. Auffällige Spuren an den Kehlbalken könnten bedeuten, dass Hölzer aus dem ersten, abgebrochenen Pagenhaus wiederverwendet wurden.